Der Abstand zwischen 37 und 7,7 Cent
Ein Speicher erzeugt nichts. Er sorgt dafür, dass Solarstrom, der mittags niemanden im Haus findet, abends noch da ist — und genau daraus entsteht sein wirtschaftlicher Wert.
Dafür genügen zwei Zahlen. Netzstrom kostet einen Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch derzeit 37,0 Cent je Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse, Stand April 2026). Für jede Kilowattstunde, die stattdessen ins Netz geht, zahlt der Netzbetreiber bei Anlagen bis 10 Kilowatt 7,70 Cent, sofern die Anlage zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 in Betrieb geht (Bundesnetzagentur).
Die Differenz von 29,3 Cent ist der gesamte Ertrag des Speichers. Mehr kann eine gespeicherte Kilowattstunde nicht einbringen.
Der Strom vom eigenen Dach selbst kostet bei Anlagen zwischen 5 und 10 kWp nur etwa 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde (Verbraucherzentrale, Stand 12. August 2026). Die Anlage trägt sich also auch ohne Akku, was die Amortisationsrechnung für die Anlage allein im Detail zeigt. Der Speicher ist eine zweite Investition und muss sich eigenständig rechnen.
Die Vergütung sinkt weiter
Die Sätze fallen halbjährlich um ein Prozent (Bundesnetzagentur). Wer nach dem 31. Januar 2027 ans Netz geht, bekommt weniger als 7,70 Cent. Der Abstand zum Strompreis wächst dadurch — der Speicher wird für spätere Anlagen also eher wichtiger als unwichtiger.
Was ein Speicher kostet
Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren deutlich bewegt, deshalb lohnt der Blick auf zwei voneinander unabhängige Quellen.
Die Verbraucherzentrale nennt für Speicher ab fünf Kilowattstunden Kapazität eine Spanne von 300 bis 700 Euro je Kilowattstunde, Installation eingeschlossen (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC beziffert den reinen Gerätepreis auf 250 bis 450 Euro je Kilowattstunde (Stand 8. April 2026). Die Lücke zwischen beiden Angaben ist im Wesentlichen die Montage.
Ein Komplettpaket aus Anlage, Wechselrichter, Speicher und Montage beginnt laut ADAC bei rund 10.000 Euro. Das „ab" ist dabei wörtlich zu nehmen — es beschreibt das untere Ende, nicht den Regelfall.
Von pauschalen Werten je Kilowatt Peak rät die Verbraucherzentrale ausdrücklich ab, weil der Preis je Kilowatt Peak mit wachsender Anlagengröße sinkt: Die Montagekosten verteilen sich dann auf mehr Leistung. Ihr Preisindex stützt sich auf 223 echte Angebote aus dem Zeitraum Januar 2023 bis Mai 2025 und ist als Beleg für diese Abhängigkeit gedacht, nicht als Richtwert zum Nachschlagen.
Prüfbar bleibt trotzdem genug. Wer ein Angebot vor sich hat, teilt den Speicherpreis durch die nutzbare Kapazität und hält das Ergebnis gegen die 300 bis 700 Euro.
Wie viel Kapazität sinnvoll ist
Die Verbraucherzentrale rechnet mit etwa 1,5 Kilowattstunden Speicherkapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch (Stand 2. Juli 2026). Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden landet damit bei rund sechs Kilowattstunden, einer mit 5.000 bei siebeneinhalb.
Wer großzügiger plant, kauft sich einen schlechteren Preis je gespeicherter Kilowattstunde ein. Die ersten Kilowattstunden Kapazität werden fast täglich gefüllt und wieder geleert. Die letzten warten auf die wenigen Tage im Jahr, an denen so viel Überschuss anfällt und so wenig verbraucht wird, dass sie überhaupt drankommen — bezahlt werden sie trotzdem voll.
Der Rechner weiter unten macht das sichtbar, allerdings erst auf den zweiten Blick. Wer dort nur die Kapazität erhöht und Preis wie Zyklenzahl gleich lässt, sieht keinen Unterschied, weil beide Größen proportional mitwachsen. In der Praxis passiert etwas anderes: Mit wachsender Kapazität sinkt die Zahl der Vollzyklen, und genau dann steigt der Wert im Ergebnisfeld.
Wie weit die Unabhängigkeit tatsächlich reicht
Zwei Kennzahlen geraten in Angeboten regelmäßig durcheinander. Der Autarkiegrad sagt, welcher Anteil des Verbrauchs aus der eigenen Anlage gedeckt wird. Der Eigenverbrauchsanteil sagt, welcher Anteil des erzeugten Stroms im Haus bleibt. Wer eine große Anlage auf ein sparsames Haus setzt, bekommt einen hohen Autarkiegrad und einen niedrigen Eigenverbrauchsanteil, und beides gleichzeitig ist kein Widerspruch, sondern die Regel.
Für den Autarkiegrad im Einfamilienhaus nennt die Verbraucherzentrale eine Steigerung von rund 25 bis 30 Prozent ohne Speicher auf bis zu 70 Prozent mit Speicher (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC kommt auf dieselbe Größenordnung — im Mittel von 30 auf 70 Prozent — und hält bei sehr sparsamen Haushalten bis zu 95 Prozent für erreichbar (Stand 8. April 2026).
Vollständige Unabhängigkeit ist damit nicht gemeint. An trüben Wintertagen liefert das Dach kaum etwas, und ein Hausspeicher dieser Größe überbrückt Stunden, keine Wochen.
Wo die Rechnung kippt
Drei Größen können den Ertrag aufzehren.
Die Lebensdauer. Batteriespeicher halten nach Einschätzung der Verbraucherzentrale zehn bis fünfzehn Jahre, während Module zwanzig bis dreißig Jahre arbeiten (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC nennt im Mittel etwa fünfzehn Jahre und 5.000 bis 10.000 Ladezyklen (Stand 8. April 2026). Der Speicher muss sich innerhalb seiner eigenen Lebenszeit tragen, nicht innerhalb der der Anlage — eine Rechnung über zwanzig Jahre schönt das Ergebnis.
Die Zyklenzahl. Ein Speicher, der wegen zu großer Kapazität oder eines ungünstigen Verbrauchsprofils nur 180-mal im Jahr voll durchläuft statt 250-mal, verteilt denselben Kaufpreis auf 28 Prozent weniger Kilowattstunden. Der Preis je gespeicherter Kilowattstunde steigt im gleichen Maß.
Der Strompreis. Er trägt den größeren Teil des Abstands, und garantiert ist er nicht. 2026 lag er bisher bei 37,0 Cent und damit unter dem Vorjahreswert (BDEW). Fällt er weiter, schrumpft der Ertrag des Speichers mit. Die Einspeisevergütung dagegen steht ab Inbetriebnahme für 20 Jahre fest.
Wann ein Speicher Geld kostet statt zu sparen
Steigen die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde über 29,3 Cent, bringt der Akku weniger ein, als er kostet. In der dritten Spalte der Tabelle unten passiert genau das: ein teurer Speicher, der zu selten durchläuft, endet nach zwölf Jahren mit einem Minus.


