Kaufentscheidung

Wann sich eine PV-Anlage mit Speicher rechnet — und wann nicht

Angebote für eine PV-Anlage mit Speicher nennen fast immer einen Komplettpreis und fast nie die Zahl, an der die Rechnung hängt: was eine gespeicherte Kilowattstunde überhaupt wert ist. Derzeit sind es 29,3 Cent. Damit lässt sich jedes Angebot prüfen.

Die Zahlen, aus denen sich alles ableitet

37,0 ctNetzstrom je Kilowattstunde, Musterhaushalt mit 3.500 kWhBDEW-Strompreisanalyse
7,70 ctVergütung für eingespeisten Überschuss, Anlagen bis 10 kWBundesnetzagentur
29,3 ctWert jeder Kilowattstunde, die im Haus bleibt statt einzuspeisenDifferenz aus BDEW und Bundesnetzagentur
300–700 €je kWh Speicherkapazität mit Installation, ab 5 kWhVerbraucherzentrale

Der Abstand zwischen 37 und 7,7 Cent

Ein Speicher erzeugt nichts. Er sorgt dafür, dass Solarstrom, der mittags niemanden im Haus findet, abends noch da ist — und genau daraus entsteht sein wirtschaftlicher Wert.

Dafür genügen zwei Zahlen. Netzstrom kostet einen Musterhaushalt mit 3.500 Kilowattstunden Jahresverbrauch derzeit 37,0 Cent je Kilowattstunde (BDEW-Strompreisanalyse, Stand April 2026). Für jede Kilowattstunde, die stattdessen ins Netz geht, zahlt der Netzbetreiber bei Anlagen bis 10 Kilowatt 7,70 Cent, sofern die Anlage zwischen dem 1. August 2026 und dem 31. Januar 2027 in Betrieb geht (Bundesnetzagentur).

Die Differenz von 29,3 Cent ist der gesamte Ertrag des Speichers. Mehr kann eine gespeicherte Kilowattstunde nicht einbringen.

Der Strom vom eigenen Dach selbst kostet bei Anlagen zwischen 5 und 10 kWp nur etwa 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde (Verbraucherzentrale, Stand 12. August 2026). Die Anlage trägt sich also auch ohne Akku, was die Amortisationsrechnung für die Anlage allein im Detail zeigt. Der Speicher ist eine zweite Investition und muss sich eigenständig rechnen.

Die Vergütung sinkt weiter

Die Sätze fallen halbjährlich um ein Prozent (Bundesnetzagentur). Wer nach dem 31. Januar 2027 ans Netz geht, bekommt weniger als 7,70 Cent. Der Abstand zum Strompreis wächst dadurch — der Speicher wird für spätere Anlagen also eher wichtiger als unwichtiger.

Was ein Speicher kostet

Die Preise haben sich in den vergangenen Jahren deutlich bewegt, deshalb lohnt der Blick auf zwei voneinander unabhängige Quellen.

Die Verbraucherzentrale nennt für Speicher ab fünf Kilowattstunden Kapazität eine Spanne von 300 bis 700 Euro je Kilowattstunde, Installation eingeschlossen (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC beziffert den reinen Gerätepreis auf 250 bis 450 Euro je Kilowattstunde (Stand 8. April 2026). Die Lücke zwischen beiden Angaben ist im Wesentlichen die Montage.

Ein Komplettpaket aus Anlage, Wechselrichter, Speicher und Montage beginnt laut ADAC bei rund 10.000 Euro. Das „ab" ist dabei wörtlich zu nehmen — es beschreibt das untere Ende, nicht den Regelfall.

Von pauschalen Werten je Kilowatt Peak rät die Verbraucherzentrale ausdrücklich ab, weil der Preis je Kilowatt Peak mit wachsender Anlagengröße sinkt: Die Montagekosten verteilen sich dann auf mehr Leistung. Ihr Preisindex stützt sich auf 223 echte Angebote aus dem Zeitraum Januar 2023 bis Mai 2025 und ist als Beleg für diese Abhängigkeit gedacht, nicht als Richtwert zum Nachschlagen.

Prüfbar bleibt trotzdem genug. Wer ein Angebot vor sich hat, teilt den Speicherpreis durch die nutzbare Kapazität und hält das Ergebnis gegen die 300 bis 700 Euro.

Wie viel Kapazität sinnvoll ist

Die Verbraucherzentrale rechnet mit etwa 1,5 Kilowattstunden Speicherkapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch (Stand 2. Juli 2026). Ein Haushalt mit 4.000 Kilowattstunden landet damit bei rund sechs Kilowattstunden, einer mit 5.000 bei siebeneinhalb.

Wer großzügiger plant, kauft sich einen schlechteren Preis je gespeicherter Kilowattstunde ein. Die ersten Kilowattstunden Kapazität werden fast täglich gefüllt und wieder geleert. Die letzten warten auf die wenigen Tage im Jahr, an denen so viel Überschuss anfällt und so wenig verbraucht wird, dass sie überhaupt drankommen — bezahlt werden sie trotzdem voll.

Der Rechner weiter unten macht das sichtbar, allerdings erst auf den zweiten Blick. Wer dort nur die Kapazität erhöht und Preis wie Zyklenzahl gleich lässt, sieht keinen Unterschied, weil beide Größen proportional mitwachsen. In der Praxis passiert etwas anderes: Mit wachsender Kapazität sinkt die Zahl der Vollzyklen, und genau dann steigt der Wert im Ergebnisfeld.

Wie weit die Unabhängigkeit tatsächlich reicht

Zwei Kennzahlen geraten in Angeboten regelmäßig durcheinander. Der Autarkiegrad sagt, welcher Anteil des Verbrauchs aus der eigenen Anlage gedeckt wird. Der Eigenverbrauchsanteil sagt, welcher Anteil des erzeugten Stroms im Haus bleibt. Wer eine große Anlage auf ein sparsames Haus setzt, bekommt einen hohen Autarkiegrad und einen niedrigen Eigenverbrauchsanteil, und beides gleichzeitig ist kein Widerspruch, sondern die Regel.

Für den Autarkiegrad im Einfamilienhaus nennt die Verbraucherzentrale eine Steigerung von rund 25 bis 30 Prozent ohne Speicher auf bis zu 70 Prozent mit Speicher (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC kommt auf dieselbe Größenordnung — im Mittel von 30 auf 70 Prozent — und hält bei sehr sparsamen Haushalten bis zu 95 Prozent für erreichbar (Stand 8. April 2026).

Vollständige Unabhängigkeit ist damit nicht gemeint. An trüben Wintertagen liefert das Dach kaum etwas, und ein Hausspeicher dieser Größe überbrückt Stunden, keine Wochen.

Wo die Rechnung kippt

Drei Größen können den Ertrag aufzehren.

Die Lebensdauer. Batteriespeicher halten nach Einschätzung der Verbraucherzentrale zehn bis fünfzehn Jahre, während Module zwanzig bis dreißig Jahre arbeiten (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC nennt im Mittel etwa fünfzehn Jahre und 5.000 bis 10.000 Ladezyklen (Stand 8. April 2026). Der Speicher muss sich innerhalb seiner eigenen Lebenszeit tragen, nicht innerhalb der der Anlage — eine Rechnung über zwanzig Jahre schönt das Ergebnis.

Die Zyklenzahl. Ein Speicher, der wegen zu großer Kapazität oder eines ungünstigen Verbrauchsprofils nur 180-mal im Jahr voll durchläuft statt 250-mal, verteilt denselben Kaufpreis auf 28 Prozent weniger Kilowattstunden. Der Preis je gespeicherter Kilowattstunde steigt im gleichen Maß.

Der Strompreis. Er trägt den größeren Teil des Abstands, und garantiert ist er nicht. 2026 lag er bisher bei 37,0 Cent und damit unter dem Vorjahreswert (BDEW). Fällt er weiter, schrumpft der Ertrag des Speichers mit. Die Einspeisevergütung dagegen steht ab Inbetriebnahme für 20 Jahre fest.

Wann ein Speicher Geld kostet statt zu sparen

Steigen die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde über 29,3 Cent, bringt der Akku weniger ein, als er kostet. In der dritten Spalte der Tabelle unten passiert genau das: ein teurer Speicher, der zu selten durchläuft, endet nach zwölf Jahren mit einem Minus.

Interaktiv

Was kostet Ihre gespeicherte Kilowattstunde?

Der Rechner stellt zwei Werte gegenüber: was eine gespeicherte Kilowattstunde kostet und was sie einbringt. Liegt der erste unter dem zweiten, trägt sich der Speicher.

Der nutzbare Wert aus dem Datenblatt, nicht die Bruttokapazität.

Nur der Speicher samt Einbau — ohne Module und Wechselrichter.

Wie oft der Speicher rechnerisch komplett durchläuft. Annahme, kein Messwert.

Verbraucherzentrale: 10 bis 15 Jahre. ADAC: im Mittel rund 15 Jahre.

Musterhaushalt 2026: 37,0 ct/kWh laut BDEW.

Bis 10 kW, Überschusseinspeisung, Inbetriebnahme ab 1. August 2026.

13,3 ct

Kosten je gespeicherter Kilowattstunde

Wert je gespeicherter kWh29,3 ct
Gespeicherte Energie gesamt30.000 kWh
Ergebnis über die Lebensdauer4.790 €
Einordnungdeutlich wirtschaftlich

Modellrechnung ohne Gewähr, keine Anlageberatung. Vollzyklen und Lebensdauer sind Annahmen und hängen vom Verbrauchsprofil und vom Gerät ab. Lade- und Entladeverluste sind nicht abgezogen.

Vergleich

Drei Speicher, dieselbe Formel

Alle drei mit acht Kilowattstunden nutzbarer Kapazität, gerechnet mit 37,0 Cent Strompreis und 7,70 Cent Einspeisevergütung. Unterschiedlich sind nur Kaufpreis, Vollzyklen und Lebensdauer.

Kriterium2.400 € · 250 Zykl. · 15 J4.000 € · 250 Zykl. · 15 J5.600 € · 180 Zykl. · 12 J
Preis je kWh Kapazität300 €500 €700 €
Gespeicherte Energie gesamt30.000 kWh30.000 kWh17.280 kWh
Kosten je gespeicherter kWh8 ct13,3 ct32,4 ct
Wert je gespeicherter kWh29,3 ct29,3 ct29,3 ct
Ergebnis über die Lebensdauer+6.390 €+4.790 €−537 €
Einordnungdeutlich wirtschaftlichdeutlich wirtschaftlichnicht wirtschaftlich

Mit derselben Engine gerechnet wie der Rechner darüber — jede Spalte lässt sich dort nachstellen. Lade- und Entladeverluste sind in keiner Spalte abgezogen.

Was im Angebot stehen muss

Sechs Angaben entscheiden, ob sich die Anschaffung trägt. Fehlt eine davon, ist das Angebot nicht vergleichbar.

  • Nutzbare Kapazität in Kilowattstunden, ausdrücklich nicht die Bruttokapazität
  • Preis des Speichers getrennt ausgewiesen, sonst lässt sich Euro je Kilowattstunde nicht bilden
  • Garantierte Zyklenzahl und die Restkapazität, die am Ende der Garantie noch zugesichert ist
  • Kapazität im Verhältnis zum Jahresverbrauch: 1,5 kWh je 1.000 kWh sind der Richtwert der Verbraucherzentrale
  • Wirkungsgrad über einen vollständigen Lade- und Entladevorgang, nicht nur der Zellwirkungsgrad
  • Ob der Speicher später erweitert werden kann und wer den Wechselrichter stellt

Häufige Fragen

Häufige Fragen

Was kostet eine 10 kW Solaranlage mit Stromspeicher?

Einen festen Preis gibt es nicht, und pauschale Werte je Kilowatt Peak hält die Verbraucherzentrale ausdrücklich für irreführend, weil der Preis je Kilowatt Peak mit der Anlagengröße sinkt. Prüfbar sind die beiden Teile getrennt: Für den Speicher nennt die Verbraucherzentrale 300 bis 700 Euro je Kilowattstunde einschließlich Installation (Stand 2. Juli 2026), ein Komplettpaket aus Anlage, Wechselrichter, Speicher und Montage beginnt laut ADAC bei rund 10.000 Euro (Stand 8. April 2026). Wer Angebote vergleicht, trennt beide Posten und rechnet den Speicherpreis auf die nutzbare Kapazität um.

Wann lohnt sich PV mit Speicher?

Dann, wenn eine gespeicherte Kilowattstunde weniger kostet, als sie einspart. Der Ertrag ist der Abstand zwischen Haushaltsstrompreis und Einspeisevergütung, aktuell 37,0 Cent gegen 7,70 Cent, also 29,3 Cent. Die Kosten ergeben sich aus dem Kaufpreis geteilt durch die Energiemenge, die der Speicher über seine Lebensdauer durchsetzt. Ein Speicher mit acht Kilowattstunden für 4.000 Euro, der fünfzehn Jahre lang 250 Vollzyklen schafft, kommt auf 13,3 Cent je Kilowattstunde und trägt sich damit deutlich.

Wie groß sollte der Speicher zur PV-Anlage sein?

Die Verbraucherzentrale rechnet mit etwa 1,5 Kilowattstunden nutzbarer Kapazität je 1.000 Kilowattstunden Jahresstromverbrauch (Stand 2. Juli 2026). Bei 4.000 Kilowattstunden Verbrauch sind das rund sechs Kilowattstunden. Größer zu planen kostet mehr, ohne den Ertrag im gleichen Maß zu heben, denn die zusätzliche Kapazität wird seltener gefüllt und die Kosten je gespeicherter Kilowattstunde steigen.

Warum lohnt sich Solar bald nicht mehr?

Die Behauptung stützt sich meist auf die sinkende Einspeisevergütung. Sie fällt halbjährlich um ein Prozent und liegt für Anlagen bis 10 Kilowatt derzeit bei 7,70 Cent. Für eine Anlage mit Speicher ist das aber der kleinere Hebel, weil der Ertrag überwiegend aus vermiedenem Netzstrom stammt. Der Strom vom eigenen Dach kostet bei 5 bis 10 Kilowatt Peak etwa 10 bis 15 Cent je Kilowattstunde, aus dem Netz 37,0 Cent. Solange dieser Abstand bleibt, bleibt auch die Rechnung positiv.

Was kostet eine PV-Anlage mit Speicher inklusive Montage?

Die Montage steckt in den genannten Spannen bereits drin, und ihr Anteil lässt sich abschätzen. Die Verbraucherzentrale nennt für Speicher einschließlich Installation 300 bis 700 Euro je Kilowattstunde, der ADAC für das Gerät allein 250 bis 450 Euro. Die Differenz ist im Wesentlichen der Einbau. Bei der Anlage selbst schlägt die Montage auf kleinen Dächern stärker zu Buche als auf großen, weshalb der Preis je Kilowatt Peak sinkt, je mehr Leistung installiert wird.

Hält ein Speicher so lange wie die Solaranlage?

Nein. Module arbeiten nach Angaben der Verbraucherzentrale zwanzig bis dreißig Jahre, Batteriespeicher zehn bis fünfzehn (Stand 2. Juli 2026). Der ADAC nennt im Mittel etwa fünfzehn Jahre bei 5.000 bis 10.000 Ladezyklen (Stand 8. April 2026). Der Speicher muss sich deshalb innerhalb seiner eigenen Lebenszeit rechnen. Wer die Speicherinvestition über die zwanzig Jahre der Anlage verteilt, rechnet sich das Ergebnis schön.

RS

Redaktion Solarpfad

Fachredaktion Photovoltaik

Speicherangebote sind der Punkt, an dem die meisten Photovoltaik-Kalkulationen unscharf werden — Bruttokapazität statt nutzbarer, Lebensdauer der Module statt der des Akkus. Diese Redaktion rechnet solche Angebote nach und legt die Formel daneben, damit sich das Ergebnis überprüfen lässt. Vermittelt wird hier nichts.

Zuletzt fachlich geprüft: 18. August 2026

Quellen

  1. EEG-Fördersätze für Solaranlagen bei Inbetriebnahme ab 1. August 2026Bundesnetzagentur, Abruf 18. August 2026
  2. BDEW-Strompreisanalyse, Stand April 2026BDEW, Abruf 18. August 2026
  3. Lohnen sich Batteriespeicher für Photovoltaik-Anlagen? (Stand 2. Juli 2026)Verbraucherzentrale, Abruf 18. August 2026
  4. Photovoltaik: Was bei der Planung einer Solaranlage wichtig ist (Stand 12. August 2026)Verbraucherzentrale, Abruf 18. August 2026
  5. Was kostet eine Photovoltaikanlage? Preisindex aus 223 AngebotenVerbraucherzentrale, Abruf 18. August 2026
  6. Stromspeicher für die PV-Anlage: Kosten und Wirtschaftlichkeit (Stand 8. April 2026)ADAC, Abruf 18. August 2026